Berichte und Aktionen

„Stadt sagt aggressiven Bettlern den Kampf an"

- so konnte man in der Recklinghäuser Zeitung lesen. Als Gastkirche stimmen wir mit dem Ordnungsamt der Stadt überein, dass aggressives  rzl bettler1a-1280x639und übergriffiges Betteln keine Berechtigung hat. Leider gibt es - nach unserem Wissen - drei Personen, durch die sich Passanten in dieser Weise bedrängt fühlen können. Die bestehende ordnungsbehördliche Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung der Stadt Recklinghausen soll um einen Verbotspassus dazu erweitert werden. So weit, so gut. Allerdings sollen dann noch weitere Verbote festgeschrieben werden, die den Aufenthalt im öffentlichen Raum betreffen und der die Freunde*innen von der Straße einschränkend betrifft. Der Ordnungsdienst bekommt dadurch die Möglichkeit, unter bestimmten Umständen Menschen des Platzes und Ortes zu verweisen, was in dieser Weise schon einen massiven Eingriff in das Recht auf bürgerliche Freizügigkeit darstellt. Im Vorgespräch mit Vertretern der Stadtverwaltung war hier keine Einigung möglich.Es bleibt zu hoffen, dass der Rat der Stadt dem Entwurf der Verwaltung in dieserWeise in der kommenden Ratssitzung nicht zustimmt. 

Erklärung von Gasthaus und Gastkirche zur virulenten Frage des Umgangs mit Mitmenschen, die betteln, wohnungslos sind oder suchtkrank

 

1. Es gibt Mitbürger, die um ihren Lebensunterhalt betteln müssen.

Aggressives und übergriffiges Verhalten von Wenigen darunter verbietet sich und sollte dezidiert in die bestehende „Ordnungsbehördliche Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung der Stadt Recklinghausen“ aufgenommen werden, wenn man diesen Menschen, die nach unserer Einschätzung weniger als fünf Personen ausmachen, nicht anders beikommen kann.

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Ein Schutzraum für die Menschen


Das Gasthaus in Recklinghausen hat die Bedürftigen im Blick

Am Eingang geben sich die Gäste die Türklinke in die Hand, in der Küche herrscht Hochbetrieb. Der Salat und das Kartoffelpüree sind vorbereitet, der Leberkäse und die Spiegeleier werden nach und nach gebraten. Um 12 Uhr ist Essenszeit im Gasthaus in Recklinghausen. Die Plätze in den einzelnen Räumen sind alle besetzt. Das geht in Coronazeiten schneller, denn Abstände müssen eingehalten werden. Doch zur Not findet sich noch ein Platz im Zelt, das auf dem Vorplatz aufgestellt ist. Die Tische sind eingedeckt. Dann wird es hektisch. Mit dem Speisenaufzug kommt das Essen ins Erdgeschoss. Ehrenamtliche und Mitglieder des Gasthausteams verteilen die Schüsseln auf den Tischen, gehen mit Platten durch die Räume. Niemand wird vergessen.JuKo

Susann, Harry und Ruslan sind drei der rund 50 Gäste. Sie essen regelmäßig im Gasthaus. "Ab Mitte des Monats wird das Geld knapp. Das Angebot ist eine große Hilfe. Und wenn ich Dienste übernehme, muss ich nicht den Wert Euro für das Essen bezahlen", berichtet Ruslan. Der 21-Jährige kommt seit vier Jahren regelmäßig ins Gasthaus. Neben seinem Teller liegen zwei Bücher. Ein Krimi und eine Taschenbuchausgabe von "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nitsche. "Ich lese sehr viel. Ganz unterschiedliche Bücher. Mir macht das Spaß und ich lerne dazu", erklärt der junge Mann. "Er weiß total viel", wirft Susann ein. Auch sie kommt regelmäßig zum Frühstück und zum Mittagessen. Durch die Coronakrise sei es besonders eng in ihrem Portmonee geworden. "Ich habe vorher unter anderem in der Gastronomie und in einer Reinigung in Teilzeit gearbeitet. Die Jobs sind weggefallen", berichtet Susann und fügt bedauernd hinzu: "Wir haben keine Möglichkeit mehr, wie normale Menschen zu leben." Das beginne schon beim Einkauf von Kleidung. Lange waren die Geschäfte geschlossen und Online war eine Bestellung für sie nicht möglich. "Ich bin so froh, dass das Gasthaus während der ganzen Zeit geöffnet war", lobt sie. Susann, die Wert auf ihr Äußeres legt und froh ist, dass beispielsweise regelmäßig eine Friseurin ihre Dienste im Gasthaus anbietet, spricht von der versteckten Armut, die gerade bei Frauen ein Thema sei. "Ich weiß ein Lied davon zu singen", bedauert sie. Auch für Harry ist die Tischgemeinschaft wichtig. "Ohne diese regelmäßigen Sozialkontakte würde ich gar nicht mehr rauskommen. Außerdem gibt es einen guten Zusammenhalt. Wir helfen uns gegenseitig", merkt er an. Er sei glücklich, dass es diese Möglichkeit in der Recklinghäuser Innenstadt gebe.

L ErnDas Team der Gastkirche und des Gasthauses weiß um die Themen ihrer Gäste. "Es ist eine verrückte Zeit. Alles ist anders. Aber Gottseidank gibt es ein bisschen Licht am Ende des Tunnels", sagt Ludger Ernsting. 90 Prozent der regelmäßigen Gäste hätten vor vier Wochen das Impfangebot des Gasthauses angenommen. "Es bestand großes Interesse. Wir haben viele Gespräche im Vorfeld geführt", berichtet der Seelsorger. Zu keinem Zeitpunkt habe es im Gasthaus einen Lockdown gegeben.

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Corona InternationalRamazzini

Die Nachrichten über den Coronavirus und die Auswirkungen der Pandemie in den Ländern unserer Partnerprojekte ist Tag für Tag erschütternd. Besonders Brasilien, auch aufgrund des dortigen Staatspräsidenten, ist ganz stark betroffen. Aber auch für ein kleines Land wie Guatemala hat die Auswirkung fatale Folgen. Gemeinsam mit der Eine-Welt-AG des Stadtdekanates haben wir ja eine spontane Unterstützung für die Aktion „weiße (Hunger-)Tücher" im Bistum von Kardinal Ramazzini zugesagt. Bisher sind schon 1000 €uro am Gasthaus dafür zusammengekommen. In der nächsten Zeit werden wir die Soforthilfe für die Menschen in größter Not dort überweisen. Danke für den Blick über den eigenen Tellerrand und die Solidarität.

Corona und Hunger: Weiße Flaggen als Notsignal

Was bei uns eine Gesundheits-, Ausgeh- und Kurzarbeitskrise ist, entwickelt sich in anderen Weltregionen zur Hungerkrise:

In normalen Zeiten arbeiten sie als Hausangestellte oder Wäscherinnen, als Gärtner oder Fahrer, verkaufen ihre landwirtschaftlichen oder handwerklichen Produkte auf den Märkten größerer Städte, in den Touristenzentren oder als Straßenhändler. Aber nun hat die Corona-Pandemie auch Guatemala erreicht. Wie überall wurden auch in Mittelamerika Maßnahmen beschlossen, um der Verbreiterung des Virus entgegen zu treten.Ramazzinimix

So gilt von 16.00 Uhr am Nachmittag bis um 4.00 Uhr des nächsten Tages eine Ausgangssperre und der öffentliche Busverkehr ist eingestellt worden. Die „Risiken und Nebenwirkungen“: Viele Menschen, die im sog. informellen Bereich arbeiten, ist es nicht mehr möglich, ihre Arbeitsstellen zu erreichen oder ihre Produkte auf den Märkten zu verkaufen. Die Familien sind nicht in der Lage, Lebensmittel zu kaufen.

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