Spiritualität

Wolfgang Thierse   - 11. November 2018 – Martinsgottesdienst Recklinghausen  Bild1                                        

Christ sein im Einwanderungsland Deutschland

Mehr als ein Viertel-Jahrhundert ist das erst her: die friedliche Revolution, die Überwindung des Ost-West-System-Konflikts, die Vereinigung Deutschlands und die Überwindung der Spaltung Europas. Welche Euphorie damals, welche Hoffnungen auf ein goldenes Zeitalter des Friedens! Und schon wieder erleben wir eine neue, dramatische Wendung der Geschichte. Hunderttausende Flüchtlinge kommen nach Europa, nach Deutschland – eine Bewegung, die vermutlich anhalten wird und die manche von einer neuen Völkerwanderung sprechen ließ. Sie trifft auf ein verunsichertes, zerstrittenes Europa, Deutschland darin eingeschlossen. Keiner weiß genau, welche Veränderungen diese Entwicklung bewirken wird, vermutlich aber werden die Wirkungen der nun nicht mehr leugbaren Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist, viel folgenreicher sein als die der Wiedervereinigung.

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Romero PlatzRomero

Seit Sonntag, 14.10.2018, heißt der Platz vor dem Gasthaus „Romero Platz“ 

Romero Platz

Benannt nach Oscar Arnulfo Romero, Anwalt der Armen und Verfolgten,   

eine Stimme der Gerechtigkeit in der Militärdiktatur El Salvadors

Und ein Märtyrer für Menschenrechte in Gesellschaft, Kirche und Welt.

Geboren: 15.08.17

Bischof von San Salvador: 1977

Ermordet: 24.03.1980

„Mich kann man töten, nicht aber die Stimme der Gerechtigkeit.“ (O.Romero)

Gasthaus und Gastkirche

Vor mehr als 600Jahren ist dieser Ort – als Bürgerstiftung – für Arme und Pilger gegründet worden.

Bis heute ist er in dieser Intention eine offene Tür für Menschen, die es – wie auch immer – schwer haben.

Und es ist als Citykirche ein Ort für Menschen, die spirituell suchend und religiös offen unterwegs sind.

Spiritualität und soziales Engagement, Stille und Aktivität kennzeichnen diesen Ort, an dem jede und jeder willkommen ist – unabhängig von Weltsicht, Nation oder Religion.

Ein Zwischenruf

(Auszüge aus einer Predigt am Sonntag, den 19.08.2018, in der Gastkirche – auf dem

Hintergrund einer Schriftstelle aus dem Johannes Evangelium ( Joh. 6,51-58 ))

 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“

Ich möchte heute 3 Punkte ansprechen, die mich in Blick auf dieses Selbstverständnis Jesu sehr beschäftigen, in manchem belasten und die ich als Herausforderung für Christen und Kirche erlebe.

Zu den schockierensten Nachrichten der letzten Woche gehören für mich die Ergebnisse der Untersuchungen in Blick auf Mißbrauch in den kath. Bistümern im Bundesstaat Pennsylvenia /USA. Viele von Ihnen /Euch werden vom fassungslosen Umgang von Tätern mit Opfern gehört haben. Die bischöfliche Kirche in diesem Bundesstaat hat sich geschützt und die – mehr als 1000 Opfer allein gelassen... Priester wurden bei Mißbrauchsvorfällen lediglich versetzt...Opfer wurden der Unwahrheit bezichtigt... über 300 Priester sind im Mißbrauch involviert... unvorstellbar!

Vor einigen Wochen die Berichte über Australien, wo es Mißbrauchsvorwürfe gibt in kath.- kirchl. Kinderheimen und im Zusammenhang mit Kardinal Pell, der jetzt aufgrund dessen vor einem australischen Gericht steht.

Vor drei Monaten der Rücktritt der gesamten Bischofskonferenz Chiles angesichts der Situation nach vielfachem Mißbrauch und der Deckung und Verharmlosung dieses Geschehens durch die Kirchenleitung – bis zu Franziskus in den Vatikan.

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     Gedicht

Bernhard von Clairvaux schreibt in einem Brief an Papst Eugen III.

„Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir. Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb Deine Stirn verhärtest; dass Du Dich nach und nach des Gespürs für einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst. Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Du fragst an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz anfängt, hart zu werden. …

 

Wenn Du ganz und gar für alle da sein willst, nach dem Beispiel dessen, der allen alles geworden ist (1. Kor 9,22), lobe ich Deine Menschlichkeit – aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst Du aber voll und echt sein, wenn Du Dich selber verloren hast? Auch Du bist ein Mensch. Damit Deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst Du also nicht nur für alle anderen, sondern auch für Dich selbst ein aufmerksames Herz haben. Denn, was würde es Dir nützen, wenn Du – nach dem Wort des Herrn (Mt 16,26) – alle gewinnen, aber als einzigen Dich selbst verlieren würdest? Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig Du selbst nicht von Dir alles haben? …


Ja, wer mit sich schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da….“