Stichworte

Gesichter der Gastkirche

Ludger Kirchhelle Lu

Ludger Kirchhelle gehört zum Urgestein des Gasthauses. Schon in der Anfangs-zeit hat er als Jugendlicher an der Gastkirche mitgemacht. Das Engagement für die „Eine Welt“ lag ihm da besonders am Herzen. Mit dem mobilen Eine-Welt-Stand war er vielfach auf dem Marktplatz präsent. Bis heute ist er diesem Akzent treu geblieben: Er begleitet heute allerdings das Ladenteam eher im technischen Be-reich, wie er überhaupt ein Ansprechpartner für neue Medien und alles ist, was an Verkabelung im Gasthaus zuhause ist. Vermutlich kennt sich keiner so gut in den unterschied-lichen Schaltkreisen des Hauses aus – wie Ludger Kirchhelle.

 

Übrigens: seit Jahren arbeitet er engagiert im Vorstand des Unterstützerkreises: Solidarisches Handeln e. V. mit – und manchmal schwingt er sogar am Sonntag in der Gastkirche den Koch-löffel. Kurzum: ein prägendes Gesicht am Ort.


„neulich“        -       ElendArmut 2

Die Straßenbahn war rappelvoll. An der Haltestelle näherte sich mit Trippelschritten ein älterer Mann – das personifizierte Elend. Die Füße in den Sandalen waren schwarz, offensichtlich nicht nur vom Schmutz. Die Kleidung schien er nie zu wechseln. Umgeben von einer Gestankwolke aus Schweiß, Urin und Alkohol, hangelte er sich mit der rechten Hand in die Bahn, während die linke eine Flasche Fusel umklammerte. Mit ausdrucklosem Gesicht beobachtete er, was jetzt kam: Wie in Panik flüchteten die Menschen um ihn herum, möglichst weit weg ans andere Ende der Bahn. Schnell stand er allein zwischen vielen leeren Sitzen. Bevor er Platz nahm, drehte er sich zu einer Dame um, die stehen geblieben war, und bot ihr mit einer angedeuteten Verbeugung den Platz neben sich an. Ohne zu zögern, setzte sie sich und blieb mehrere Stationen neben ihm sitzen, bevor sie sich mit einem Kopfnicken verabschiedete. Ursprünglich, bevor das Wort „Elend“ in der Bedeutung „Not, Armut, Unglück“ verwendet wurde, bezeichnete es den Fremden, den Ausgestoßenen, der aus der Gemeinschaft verbannt und ausgeschlossen war.

                                                                                                                   Hans Peter Heinrich

fsjlerFSJ (Freiwilliges Soziales Jahr)

An der Gastkirche hat es über lange Jahre Zivildienstleistende gegeben, die die Arbeit an der Heilige-Geist-Str. 7 mit unterstützt  und das All-tagsleben im Hause mitgetragen haben. Seit eini-gen Jahren sind die Zivildienstleistenden von jungen Menschen abgelöst, die ein freiwilliges soziales Jahr hier leisten. Oft sind es Schüler, die nach dem Abschluss der Schule und vor Beginn einer Ausbildung oder der Aufnahme eines Studiums sich sozial engagieren möchten. Sie erhalten in dieser Zeit ein Taschengeld, werden begleitet am Ort und reflektieren in FSJ-Schulungswochen zwischendurch immer wieder auch ihre Lebenssituation und ihr Tun.

Bei uns an der Gastkirche beginnt jeweils zum 1. September ein junger Mensch bis zum 31. August des folgenden Jahres seine Engagement Zeit. Im Augenblick ist Johannes Bücking, der aus Marl stammt, an der Gastkirche tätig. Ab September wird Felix Gietl aus Recklinghausen seine Nachfolge antreten. Es ist schön, dass junge Menschen sich in dieser Weise engagieren und einbringen. An unserem Ort tun sie der Hausgemeinschaft und den Gästen gut. Nicht nur, weil sie organisatorisch vieles leisten, sondern auch als junge Gesichter mit Ideen und Leben. Viele ehemalige FSJ’ler kommen immer mal wieder vorbei und sind uns nach wie vor verbunden. So eine FSJ-Zeit ist schon eine besondere Zeit...

Second-hand-shop – Jacke, Hose und mehr…  second hand a

An der Dortmunder Str. 122 B gibt es eine kleine „Filiale“ der Gastkirche: ein Second-hand-shop. Es ist nicht ein Second-hand-shop in unserer Stadt, wie es viele gibt. Wodurch unter-scheidet sich unser Ort? Zunächst ist er entstanden aus einer ökumenischen Initiative, die auch heute in der Mitarbeiterschaft so lebendig ist: die evangelische Johannesgemeinde, die katho-lische Petrus Canisius Gemeinde und das Gasthaus haben diesen „Laden“ initiiert. Er unterscheidet sich aber noch ein bisschen mehr, denn er ist auch gleichzeitig ein Stadtteil-Treff - direkt neben der Bushaltestelle an der Dortmunder Str. 122 B. Men-schen kommen, um sich zu unterhalten, sich zu treffen … - ein Ort der Begegnung.

Second-hand-Ware dient einem nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen dieser Erde. Unser Laden ist somit auch ein Zeichen gegen jede „Weg-Werf-Unkultur“. Nachhaltigkeit wird durch diesen Ort geprägt. Gleichzeitig ermöglichen die ganz geringen (manchmal eher symbolischen) Geldbeträge für die gut erhal-tenen Kleidungsstücke, eine wesentliche Entlastung für die Haushalts-Portemonnaies in unserer Stadt, die nicht so gut ausgestattet sind. Der Shop ist eine „Sozialstelle“ für nicht wenige Menschen, übrigens nicht nur aus dem Recklinghäuser Osten. Getragen wird das alles von einem lebendigen Team unter der Leitung von Frau Angelika Bergmann und der Geschäftsführung von Herrn Josef Beckmann. Die vielen Ehrenamtlichen geben besonders diesem wichtigen Ort in unserer Stadt ein Gesicht. Demnächst möchten wir den sozialen Akzent mit dem „Treffpunkt-Charakter“ noch ein Stück stärker unterstreichen und diesen Bereich auch durch ein verstärktes Angebot im Bereich sozialer Beratung noch ausbauen: der Second-hand-Laden ein starkes Stadtteilstück im Osten und der Gastkirche.

PfingstenPfingsten

50 Tage nach Ostern feiern Christen das Pfingstfest. Mit ihm verbindet sich der Zuspruch des Heiligen Geistes für die Menschen, die dem Geist Gottes vertrauen - und gleichzeitig ist es der Gründungsfeiertag der Gemeinschaft Begeisterter für Jesu Botschaft. Der Evangelist Lukas be-richtet in der Apostelgeschichte davon, dass nach dem ängstlichen Rückzug der Freunde Jesu angesichts seines Endes und Todes am Kreuz, ein neuer und anderer Geist plötzlich den Freun-deskreis Jesu "ergreift". Die Freunde Jesu wagen sich mit der Botschaft des Evangeliums nach Außen und finden - aus der Kraft des Heiligen Geistes - den Mut das Evangelium in die Welt zu bringen. Der "Heilige Geist" hat es manchmal schwerer, da er/sie nicht so greifbar ist. In den Zeugnissen der frühen biblischen Schriften ist er der "Patron der Armen". Daher wurden mittel-alterlich die Pilger- und Armenspitäler dem "Heiligen Geist" geweiht.

Auch unser Gasthaus und unsere Gastkirche in Recklinghausen. In der ältesten Urkunde unseres Ortes von 1403 ist vom "hilligen Gestes huse" die Rede. 50 Tage nach Ostern feiern wir an der Gastkirche das Pfingstfest: beginnend mit einem Gottesdienst in der Gymna-sialkirche und anschließend weiter in der offenen Begegnung auf dem kleinen Platz an der Gastkirche, Heilige-Geist-Strasse7: Herzlich willkommen. Es ist Grund zur Feier.

Der Heilige Geist stellt uns bis heute an die Seite der Armen und er mag uns die Beweglichkeit und Lebendigkeit immer wieder schenken, die dem Geist des Evangeliums Gestalt gibt in unserer Zeit.