Berichte und Aktionen

Erklärung von Gasthaus und Gastkirche zur virulenten Frage des Umgangs mit Mitmenschen, die betteln, wohnungslos sind oder suchtkrank

 

1. Es gibt Mitbürger, die um ihren Lebensunterhalt betteln müssen.

Aggressives und übergriffiges Verhalten von Wenigen darunter verbietet sich und sollte dezidiert in die bestehende „Ordnungsbehördliche Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung der Stadt Recklinghausen“ aufgenommen werden, wenn man diesen Menschen, die nach unserer Einschätzung weniger als fünf Personen ausmachen, nicht anders beikommen kann.

2. Wohnungslose Mitmenschen können keine Tür hinter sich schließen, daher halten sie sich im öffentlichen Raum auf. Manche von ihnen mögen oder können weder das städtische Angebot in der städt. Übernachtungsstelle annehmen noch die Wohnungsberatung der Diakonie. Sie suchen sich im Stadtgebiet einen Schlafplatz - oft bei Freunden, manchmal auch in ungenutzten Häusern und Garagen, auf dem Friedhof, in Parks oder Tiefgaragen. Das sollte nicht so sein, aber...

In einer Großstadt ist das leider Teil der Wirklichkeit. Manchmal lässt diese sich ändern, manchmal auch nicht. Ärgerliche Schwierigkeiten entstehen – nach unserer Erfahrung – durch dauerhaftes und wiederkehrendes Verhalten an einem Ort, wo das von anderen Mitmenschen dort als störend erlebt wird. Wenn der Stadtrat darüber entscheidet, möge er diesen Aspekt von dauerhaftem Verhalten, (gegenüber punktuellem oder zeitweisem Vorkommen) sowie Störung direkt betroffener Mitmenschen berücksichtigen.

3. Suchtkranke Menschen stehen bisweilen zusammen. Nicht so sehr Medikamenten-und Spielsüchtige, eher Alkohol- und Drogensüchtige. Für manche Suchtkranke ist der öffentliche Raum der Stadt, zu der sie gehören, ein wichtiger Treffort, da ihr „Zuhause“ dort ist. Manche Mitmenschen wünschen sich das anders, aber Krankheit ( und dazu gehören u.a. Alkohol- und Drogensucht) hat immer Folgen – auch die der Sorge um Einsamkeit und Alleinsein.

Vielleicht regt der Stadtrat – bevor eine neue Regelung in Blick auf dieses Verhalten verabschiedet wird – in unserer Stadt die Schaffung von mehr Tagesaufenthaltsplätzen als Begegnungsorten an sowie Konsumräumen, wo eine Begleitung in dieser Situation auch mit gegeben wäre. Damit wäre gleichzeitig auch die Hilfe zum Ausstieg aus der Krankheit näher da - zum Beispiel durchTherapievermittlung.

4. Wir sind seit zwei Jahren durch die Corona-Pandemie geprägt und davon bestimmt. In dieser Zeit sind die Mitmenschen, die betteln, wohnungslos oder suchtkrank sind – wesentlich stärker ins Bild der Öffentlichkeit gerückt, weil sie „überproportional“ in der Stadt gesehen werden: Leider für manche als Störfaktor. Andere entdeckten in dieser Zeit bewusster, wie vielen Menschen es in unserer Stadt nicht so gut geht. Sie sieht man sonst nicht so, weil die Straßen in der Nicht-Corona-Zeit voller Menschen sind. Jetzt fallen sie mehr auf.

In der jetzigen Zeit sollte man - unserer Meinung nach - nicht bei den Menschen „Verschärfungen“ einführen, die keine Tür hinter sich schützend schließen können.

Bleiben wir eine liebenswürdige Stadt – für alle!